Figur mit Maske

Wir waren in der Osternacht, die Kinder und ich. Von 21:30 Uhr bis 0:15 Uhr hat sie gedauert, feierlich war sie, zumindest für die Kinder, aber wohl auch für die versammelte Gemeinde.

In vier Abschnitten rollt sich die Liturgie aus, ein Fest für die Sinne, der Höhepunkt des Kirchenjahres, das Zentrum des Glaubens der Kirche.

Zu Beginn wurde im Hof hinter der Kirche ein großes Osterfeuer entzündet, an dem die Osterkerze, und von dieser die vielen kleinen Kerzen der Besucher entzündet wurden. Unter Sternen zogen wir dann, voran der regelmäßige Ruf „Lumen Christi“ mit der Antwort des Volkes „Deo gratis“, durch den Kirchhof in die dunkle Kirche, die seit Karfreitag, dem Gedenken an den Kreuzestod, ohne Licht und in Stille lag. Als sich die Kirche füllte, sich das Licht des Osterfeuers langsam über die Kerzen im Raum verteilte, begann der zweite Teil, der Wortgottesdienst.

Im flackernden Schein der Kerzen wurden Lesungen des Alten Testaments, von der Schöpfung über den Auszug der Israeliten aus Ägypten zu den Propheten, bis hin zu Paulus aus dem Neuen Testament vorgetragen und mit einer jeweils kurzen „Statio“, also ein paar einleitenden Worten, vorgetragen. Beeindruckend ist dann immer wieder der Augenblick, in dem die Auferstehung vergegenwärtigt wird: Die Orgel setzt ein, der Kirchenraum wird hell erleuchtet, alle Glocken beginnen zu läuten. Der neue Tag, das neue Leben, ist angebrochen.

Es folgt die Erneuerung des Taufversprechens, die Litaneien mit den unzähligen Heiligen, deren Namen man kaum noch kennt und die eine geheimnisvolle Verbindung zu den unzähligen Generationen an Gläubigen aufbauen, vollendet mit dem eigenen Bekenntnis, dazu gehören zu wollen. Nach dem eindrucksvollen Spiel mit dem Feuer zu Beginn, wenden wir uns hier dem Wasser zu, welches als Weihwasser in der Osternacht geweiht zur Reinigung von Geist und Seele bereitgestellt wird.

Als krönenden Abschluss folgt die Feier der Eucharistie, die Vergegenwärtigung des gesamten Heilsgeschehens, bevor wir frohen Herzens und gestärkt die Osterzeit beginnen.

So könnte man es beschreiben und so war es woh auch intendiert. Allein, mein Erleben war ein völlig anderes.

Schon im Hof hinter der Kirche viel uns eine Heiligenfigur auf, die mit einer medizinischen Maske geschmückt war. Erst später sahen wir, dass dies kein einzelner über Scherz gewesen ist, sondern eine ganze Reihe an Figuren in der Kirche diesen Mundschutz trugen, bis hin zu Christus am Kreuz.

Natürlich durfte die ausführliche Ansage über die Corona-Massnahmen vor dem Osterfeuer nicht fehlen. Draussen sei die Maskerade empfohlen aber frei, in der Kirche Pflicht, obwohl darauf geachtet worden sei, dass Abstandsregeln gewahrt würden. Sogar ein Bezug auf den Krieg in der Ukraine durfte nicht fehlen. Was das mit der Vorbereitung der Liturgie zu tun hatte, blieb offen.

Überhaupt. Der politische Aspekt kam nicht nur nicht zu kurz, er dominierte streckenweise das Thema. So, wenn z.B. die Spritze für die Impfung als Zeichen des Lebens interpretiert wurde: sie ermögliche ja ein Überstehen der Pandemie. Als es dann wirklich Anlass zu einem politischen Statement gegeben hatte, blieb der Hinweis aus - bzw. noch schlimmer, man versuchte dem christlichen Akzent die Schärfe zu nehmen.

So zum Beispiel in der Statio zur Schöpfungsgeschichte (diese Ansprachen umgehen geschickt das Predigtverbot für Laien was vor allem Frauen gerne nutzen, so auch in diesem Fall). Hier wurde doch tatsächlich gesagt, der Mensch sei nicht dazu berufen, sich die Erde Untertan zu machen, sondern er sei Sachwalter Gottes, dem er zum Gehorsam verpflichtet sei. Dass die Lesung dann im Anschluss fast wörtlich das Gegenteil formulierte, scheint kaum jemandem aufgefallen zu sein.

Natürlich soll der Mensch über die Schöpfung herrschen. Wenn man hier eine christliche Auslegung für die aktuelle Zeit anbringen möchte, wäre durchaus zu klären, was es heisst, wenn man etwas überantwortet bekommt. Es geht nämlich nicht um Ausbeutung, auch wenn das immer wieder zum Thema gemacht wird, sondern um Verantwortung. Nicht im Sinne von Gehorsam, sondern aus freien Stücken, indem man der Aufgabe eines Herrschers gerecht werden kann, oder eben auch nicht. Für den Bogen zur Politik, die den Begriff der Verantwortung schon lange nicht mehr auf die eigene Klientel anwendet, wäre das eine Steilvorlage gewesen. Wenn man aber den Text, den man interpretiert nicht wirklich verstanden hat, dann wäre in der Tat das Schweigen besser.

Bei aller Mühe eine feierliche Liturgie zu begehen, standen doch die Ungereimtheiten wieder einmal im Vordergrund. So gibt es anscheinend mittlerweile ganz neue liturgische Handlungen, wie das ständige Desinfizieren der Hände, von denen ich bisher nichts mitbekommen habe. Der unwürdige Empfang der Hl. Kommunion, die man sich mit der rechten Hand irgendwie unter die Maske schiebt, während man mit der linken versucht, den Stoff so auf Seite zu schieben, dass er einerseits die Hostie durchlässt, andererseits aber Mund und Nase nicht freigibt, gibt ein derart skurriles Bild ab, dass von Andacht oder österlicher Spiritualität nichts übrig bleibt.

Ich habe nicht mitgezählt, ob Christus oder die Ukraine häufiger genannt wurde. Ja, es ist Krieg. Ja, das ist schlimm. Und ja, wie auch der Pfarrer zum Abschluss erklärte, man darf dennoch feiern. Aber wenn man das schon sagt, dann soll man es auch tun. Weniger Erklärungen, weniger politische Fürbitten, die den einen einschließen, weil man sich dann besser fühlt und den anderen ausschliessen, auch das, weil man sich dann besser fühlt, das wäre mehr gewesen.

Es braucht einen Raum, in dem die Politik nicht im Zentrum des Interesses steht. Ein Raum, in dem es um Grundsätzliches geht, um das Gelingen des eigenen Lebens, um persönliche Angst und Hoffnung, dass mit dem Tod für uns nicht alles vorbei ist. Und hier wäre die Kirche grundsätzlich der richtige Ort. Wenn man aber aus allem bloß einen billigen Stammtisch macht, dann braucht man sich über die Früchte, die man ernten wird, nicht wirklich zu wundern.

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