Der Begriff der Mission scheint heute eher negative Assoziationen zu wecken, als gehöre er einem vergangenen Zeitalter an auf das man nicht besondes Stolz ist. In Bezug auf Länder in Afrika oder Südamerika fällt er noch hin und wieder, doch klingt meistens ein abwertender Ton mit, wenn man von „Missionsländern” spricht und Vielen scheint in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Begriffes gar nicht mehr klar zu sein: man denkt an Armut, an Hilfsorganisationen aber kaum an die Verbreitung des Glaubens.

In den wesltichen Industrienationen, die der Mission im wörtlichen Sinne wohl weit mehr bedürfen, hat man einen neuen Begriff geprägt: man spricht von Evangelisation, was dem biblischen Auftrag zwar ebenso entspricht, aber weniger nach Zwang und Unterdrückung klingt.
Den schlechten Ruf hat der Missionsbegriff wohl vor allem aufgrund sozialromantischer Vorstellungen, die im 19. Jhdt. besonders populär wurden. Im Gegensatz zu den Erfahrungen des Kolonialismus, oder auch in Folge eines schlechten Gewissens, galt der Mensch in seiner Unbelassenheit als edel und rein, der Zivilisationsmensch des Westens hingegen als plump und dekadent, ein durch Machtgier geleiteter Zerstörer der unschuldigen Ureinwohner eroberter Gebiete.
Schnell hat man hierbei die Rolle der weltlichen Eroberer auch den sie begleitenden christlichen Missionaren vorgeworfen: sie würden die fremden Religionen und Kulturen zerstören und das allen das Christentum aufzwingen. Ob die vorhandenen Kulturen allerdings tatsächlich ein hohes zu erhaltendes Kulturgut darstellten, oder ob das Christentum mit seiner Botschaft eines liebenden und barmherzigen Gottes die Menschen nicht auch oft von einem grausamen Kult erlöst hat, ist eine Frage die man heute kaum zu stellen wagt.
Die Antwort darauf liegt in der persönlichen Glaubenseinstellung des Betrachters. Wer tatsächlich als Christ davon überzeugt ist, dass Christus den Menschen das Heil gebracht hat, sie vom Tode erlöst und ihnen in der Kirche den Zuspruch der Sakramente als Vorgeschmack auf das Reich Gottes bringt, wer also nicht aus einer distanzierten Perspektive alle menschlichen Lebensformen (vor allem wenn er nicht betroffen ist) als gleichwertig erachtet, sie gar einem Zoo gleich der reinen Facetten wegen zu erhalten bestrebt ist, der wird natürlich bestrebt sein, das selbst erfahrene Heil auch allen anderen Menschen erfahrbar zu machen.
Dabei ist es selbstverständlich, dass man mit fremden Kulturen, mit dem, was Menschen wichtig ist, nicht respektlos umgeht. Die Kirche hat immer schon dasjenige bewahrt, was als menschliche Leistung oder Erkenntnis aus der natürlichen Gotteserfahrung heraus stützend und erhellend in den Kulturen war. Nicht ohne Grund wurden überall auf der Welt vorchristliche Bräuche und Erfahrungen nicht einfach abgesetzt, sondern in christliche Symboliken und Traditionen eingebunden. Sehr treffend hat dies der kolumbianische Philosoph Nicolás Gómez Dávila zum Ausdruck gebracht, indem er sagte: „Nur der ist ein wahrer Katholik, der die Kathedrale seiner Seele über heidnischen Krypten errichtet.”
Weitaus populärer als Vorstellungen zur Mission ist heute der Begriff der Ökumene.
Ökumene meint zuerst einmal die Einheitsbestrebungen der christlichen Konfessionen untereinander, als weiteren Begriff gibt es zudem die „Große Ökumene” als Versuch, auch unterschiedliche Religionen ihren Gemeinsamkeiten nach zu verbinden und so etwa einen allgemeinen Weltethos aufzubauen. Vom griechischen Wortlaut her bedeutet Ökumene soviel wie „die bewohnte Welt bzw. den Erdkreis umfassend”, wodurch sich die Ansätze von Ökumene und Mission inhaltlich gar nicht wesentlich unterscheiden: es geht um die Einheit aller Menschen in Christus zum Heil der Welt; um einen aufrichtigen Dialog unter den Aspekten von Liebe und Wahrheit.
Es kann dabei nicht Ziel der Bemühungen sein, durch Kompromisse den „Kleinsten Gemeinsamen Nenner” zu finden und alles Trennende fallen zu lassen, denn das wäre ein schlechter Dienst an der Wahrheit. Auch ist es in unserer gefallenen Welt leider nicht immer so, dass der am harmonischsten scheinende Weg auch der Aufrichtige ist. Dabei kann man als Katholik jederzeit auf die Führung des Heiligen Geistes vertrauen: was sich an Wertvollem und Wahren in anderen Konfessionen und Religionen findet darf man dankbar annehmen und mit dem reichen Schatz der kirchlichen Gaben braucht man sich nicht zurückhalten.
Das (ökumenische) Zweite Vatikanische Konzil formuliert das in der dogmatischen Konstitution „Lumen Gentium” wie folgt: „Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfaßt und geordnet, ist verwirklicht in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger Petri und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. Das schließt nicht aus, daß außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen. Wie aber Christus das Werk der Erlösung in Armut und Verfolgung vollbrachte, so ist auch die Kirche berufen, den gleichen Weg einzuschlagen, um die Heilsfrucht den Menschen mitzuteilen.”

