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Wir sitzen auf einem Feuerball und kreisen um einen solchen, Energie sollte als in Hülle und Fülle vorhanden sein. Doch der Schein trügt, insbesondere in Deutschland sind die Kosten für Strom, Öl und Gas in geradezu astronomische Höhen geschnellt, nachdem man sich der Atomkraftwerke und dem unsympathisch gewordenen Lieferanten für fossile Brennstoffe aus der Nachbarschaft entledigt hatte.

Der versprochene grüne Strom hat sich noch nicht als gleichwertiger Ersatz erwiesen, die Umstellung auf E-Mobilität und Wärmepumpen tut ihr Übriges, so dass der Ruf nach neuen, sauberen Möglichkeiten der Stromgewinnung immer lauter wird. Eine der immer wieder angesprochenen Möglichkeiten dazu ist die Fusionstechnologie, die analog zu unserer Sonne günstige und nahezu unerschöpfliche Ressourcen verspricht, bei vergleichsweise geringem Risiko, denn weder ist eine sich verselbstständigende Kettenreaktion zu befürchten, die sich durch Brennstäbe frisst, noch entsteht eine Strahlungsbelastung, die über Zehntausende Jahre anhält wie bei Spaltmaterial: Tritium hat eine Halbwertszeit von 12,3 Jahren, aktivierte Bauteile klingen über ein bis wenige Jahrhunderte ab.

Kein Wunder also, dass gerade Politiker die noch immer vom Hochtechnologiezentrum Deutschland schwärmen, die uns als Trendsetter für zukünftige KI-Produkte, Raumfahrt und Infrastruktur sehen, hier einen Schritt zur Erfüllung ihrer Träume sehen, ganz im Gegenteil zu den vermehrt auftauchenden Berichten auf Social-Media-Plattformen, die Projekte wie Chinas „künstliche Sonne“ (EAST/HL-2M in Hefei) anpreisen, als wäre der Westen technologisch hier unaufhaltbar abgehängt.

Wie aber sieht es denn tatsächlich aus?

In der Tat hat China gewaltige Erfolge zu verbuchen. So ist es gelungen, mit ihrem gigantischen Tokamak-Reaktor eine Hitze von über 100 Millionen Grad Celsius über ca. 17 Minuten aufrecht zu erhalten. Schon für 2030 ist geplant, erstmals zu demonstrieren, dass aus Fusionsenergie im Dauerbetrieb mehr Energie gewonnen werden kann, als man verbraucht. Möglich wird das durch massive staatliche Megaprojekte, die top-down gelenkt und finanziert werden. Trotz modernen Anscheins ist diese eher planwirtschaftliche Methode auch sehr risikobehaftet und kann zudem menschliche und ökologische Befindlichkeiten völlig ausblenden. Anders ausgedrückt: Ein Menschenrechtspreis ist für die Leistung nicht zu erwarten.

Ganz anders sieht es hingegen in den USA aus. Hier wird viel mit privatem Risikokapital, aber durchaus auch mit staatlicher Förderung gearbeitet. Start-ups können ganz eigene Wege gehen und das zahlt sich vor allem auch in einem ganz anderen Maß an Innovation aus. So werden nicht nur wie in China Tokamak-Systeme verfeinert, Firmen wie Helion Energy oder TAE erforschen beispielsweise eine direkte Energieumwandlung ohne Dampfturbinen. Das ist durchaus auch von Erfolg gekrönt, so gelang den USA an der National Ignition Facility (NIF) 2022 ein Durchbruch, als erstmals bei der Laserfusion mehr Fusionsenergie entstand, als der Laser bei seinem Schuss eingesetzt hatte.

Auch Europa spielt nach wie vor ganz vorne mit. Das ITER in Frankreich ist das größte Fusionsprojekt der Welt mit 35 Partnerstaaten. Dort werden die notwendigen Grundlagen erforscht, wenn man auch eingestehen muss, dass die Vielzahl der Beteiligten für Abstimmungsprobleme sorgt und es europatypisch zu Lieferungsverzögerungen und Kostenexplosionen kommt. (Die Veranschlagung von 5-6 Milliarden EUR in den 2000er Jahren werden heute auf 20-25 Milliarden EUR geschätzt, also eine Verfünffachung.)

In Deutschland muss man auf jeden Fall den Stellarator (Wendelstein 7-X) erwähnen. Der dortige Ansatz stellt eine Alternative zu der erwähnten Tokamak-Technologie dar, in der ein Magnetfeld in der Form eines Donuts erzeugt wird. In Greifswald, am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik, wird ein System mit einem verdrillten Magnetfeld erforscht, welches ohne die bauartbedingten Pulse-Abstände des Tokamak auskommt und dadurch einen kontinuierlichen Dauerbetrieb ohne Pausen ermöglichen soll, der dadurch deutlich stabiler arbeiten kann. Die dafür benötigten Magnete sind allerdings schwer zu bauen, doch gerade hier hat Deutschland mit seiner Ingenieurstradition gute Karten.

Fazit

China mag die schnellsten und aufwändigsten Großprojekte umsetzen, mit der Dynamik des amerikanischen Marktes und der privaten Finanzierung wird es auf Dauer aber schwer mithalten können. Auch Europa ist noch nicht abgehängt, hier liegt das Problem aber nicht an der Technologie, sondern an der Bürokratie und Infrastruktur. Die vielen Verordnungen, die Lieferverzögerungen und die staatlichen Hürden für wirtschaftlich orientierte Firmen ersticken innovative Ansätze dort, wo sie zur Marktreife gelangen könnten. Wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt liegt also maßgeblich bei der Politik, die gut beraten wäre, dem US-amerikanischen Vorbild freier Marktwirtschaft und geringerer Regulierung zu folgen, statt der Verlockung der Macht zu erliegen, dem planwirtschaftlich-chinesischen Modell nachzueifern.

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