
Der Kölner Dom und ihm folgend wohl auch andere Kirchen werden für den Besuch außerhalb von Messzeiten Eintritt verlangen. Für den Dom sind Preise von bis zu 13 EUR im Gespräch. Die Gier der Kirchenfunktionäre scheint keine Grenzen zu kennen.
Ich empfinde es immer schon als ein Übel, wenn man Kirchen zu Museen degradiert und Eintritt verlangt. Auch wenn das vielerorts üblich ist, so widerspricht es doch meinem religiösen Empfinden, dem tiefen Wunsch, einen Ort der Nähe Gottes aufzusuchen, um im Schatten des Tabernakels mit Blick auf das Ewige Licht mein Herz öffnen zu können.
Die kunst- und kulturhistorischen Schätze, die für vielen den Reiz eines Kirchenbesuchs ausmachen, wurden von vielen Generationen tiefgläubiger Christen unter großen Mühen und mit der Bereitschaft, einen großen Teil ihres oft kargen Einkommens zur höheren Ehre Gottes abzugeben, geschaffen. Sie sind nicht museal, sondern werden von Christen nach wie vor als Teil ihres religiösen Lebens benötigt.
Wer in eine Kirche geht, um sich die Schätze aus Wertschätzung der menschlichen Leistung anzusehen, der hat nicht verstanden, worum es geht. Alles, was in der Kirche Wert hat, soll zu Christus führen. Es soll eine Vorstellung des Himmlischen Jerusalems ermöglichen, katechetisch Szenen aus der Heiligen Schrift und den uns vorangegangen Heiligen erläutern und somit im Glauben stärken.
Wer für den Erhalt dieser Dinge Eintritt verlangt, offenbart damit eine Glaubensferne, wie man sie eigentlich nur von Atheisten her kennt. Das Anliegen, auch Menschen ohne und mit anderem Glauben an die Frohe Botschaft, das Evangelium, heranführen zu wollen, ist nicht gegeben. Man reduziert die Gottesbegegnung auf Zeiten, an denen man seine als Liturgie getarnten Polit-Propagandashows aufführt, zu der die Messen und sonstigen „Gottes“dienste heute regelmäßig verkommen.
Es ist an sich schon ein Unding, Kirchen nicht den ganzen Tag über für Publikumsverkehr geöffnet zu haben. Zwar verstehe ich, dass man die Gotteshäuser vor Vandalismus schützen möchte, aber wenn ich auf einer Wanderung an einer Kirche vorbeikomme, möchte ich kurz reinschauen, ein kleines Gebet verrichten, evtl. eine Kerze anzünden. Die Gitter unter der Empore, wie man sie oft im süddeutschen Raum hat, sehe ich da als möglichen Kompromiss, aber ein völliges Schließen lässt am Sinn des Erhaltes eines solchen Ortes grundsätzlich zweifeln.
Wir sind kein esoterischer Club, der sich mit seinem Geheimwissen abschottet und hin und wieder (sei es über Beziehungen oder für Bezahlung) ein Fenster öffnet. Für Christen gibt es den klaren Auftrag, das Heil zu verkünden und gerade in der heutigen Zeit, wo selbst Kirchgänger kaum mehr Glaubenswissen haben, wäre das eine grundsätzliche Notwendigkeit.
Stattdessen sperren wir die Kirchen für Arme! Wer sich in der heutigen Zeit selbst die einfache Lebenshaltung, immer weniger leisten kann, der soll nun für eine Familie 50 EUR Eintritt in den Dom zu Köln ausgeben? Man bekommt den Eindruck, dass die Stuhlkreischristen, die Verwalter und Veruntreuer im kirchlichen Verkündigungsdienst in erster Linie Strategien zur Fernhaltung von Menschen im Sinn haben, soweit sie nicht direkt vermarktet werden können – sei es ideell oder finanziell.
Was Christus von Geschäften im Tempel gehalten hat, sollten sie aber dennoch vage in Erinnerung halten. Dies zu ignorieren zeigt entweder von völliger Unkenntnis der eigenen Lehre oder aber es zeugt von dem Bewusstsein, sich nicht an sie halten zu müssen. So oder so: Als Vertreter und Verkündiger des Glaubens sind solche Menschen bestenfalls eine Fehlbesetzung.
